„Stell dir dein Gegenüber nackt vor!“ – was ich von solchen Ratschlägen gegen Angst und Lampenfieber halte

„Stell dir dein Gegenüber nackt vor!“ – was ich von solchen Ratschlägen gegen Angst und Lampenfieber halte

Oft liest man Ratschläge, man solle sich bei Angst und Lampenfieber als Bewerber oder Vortragender das Gegenüber (Entscheider oder Publikum) nackt vorstellen, dann würde man sich besser fühlen.

Was für ein Schwachsinn! Das muss ich einfach mal so drastisch sagen. Und ich zeige Ihnen auch, warum ich gar nichts davon halte.

StatusgefälleAls erstes stelle ich die Frage, woher kommt die Angst? Diese resultiert ja daraus, dass man sich klein mit Hut fühlt, weil man denkt, die anderen wollen einem etwas Böses. Würde man das nicht denken, hätte man ja im Umkehrschluss auch keine Angst.

Das heißt, aus auch noch so wohlwollenden Menschen werden Bösewichte gemacht. Man schrumpft also innerlich zusammen, weil man sich dem nicht gewachsen fühlt und auch nach außen strahlt man natürlich dieses Kleinsein aus. In meinem Buch „30 Minuten Selbstbehauptung“ geht es genau darum: Wie fühle ich mich im Vergleich zu anderen und was kann ich tun, um mich auf einer Augenhöhe zu anderen zu erleben.

nackt vorstellenNun kommt die rettende Idee: „Ha, ich mache das so, wie man mir geraten hat und stelle mir sie nackt vor!“ Da muss man ja einfach lachen und schon geht es einem etwas besser.

Das heißt, man versucht sein Gegenüber zu erniedrigen, um sich dabei besser zu fühlen. Und welche Sorte des Lachens ist das? Hämisch, abschätzig, distanzlos und definitiv respektlos. Denn inwiefern gehört die Nacktheit des Entscheiders, des Vortragspublikums, des Verhandlungpartners in diesen Kontext?

Und was ist danach? Kann man dann ernsthaft das Gespräch weiterführen? Ist man in der Lage sein Publikum, vor dem man keinen Respekt hat, zu begeistern? Ganz bestimmt nicht! Das bringt einen in eine aussichtslose Situation, in der man noch weniger handlungsfähig ist und ganz sicher nicht überzeugend.

auf AugenhöheWorum geht es uns wirklich? Wir wollen uns auf einer Augenhöhe zu unseren Ansprechpartnern erleben. Wir wollen uns nicht klein mit Hut fühlen. Doch der gute Weg dahin geht nicht über die Erniedrigung anderer, sondern an der Arbeit an dem eigenen Selbstverständnis.

Wenn Sie bei allem Lampenfieber das Gefühl haben, Sie sind dem gewachsen; wenn Sie Ihr Gegenüber als das sehen, was sie wirklich sind, nämlich zu 99% wohlwollend – dann werden Sie sich nicht mehr mickrig fühlen.

Das heißt, wenn Sie an Angst und Lampenfieber in entscheidenden Situationen leiden, dann ist es sehr wichtig, dass Sie sich mit sich und Ihren Qualitäten befassen, dass Sie sich selbst zu respektieren lernen und sich für das anerkennen, was Sie sind.

Dann haben Sie es auch nicht nötig, andere Menschen zu erniedrigen, und sei es nur in Ihren Gedanken!

Herzliche Grüße

Ihre

Natalie Schnack

2 Kommentare

  • Da kann man mal sehen, wie unterschiedlich Sprüche interpretiert werden können. Für mich bedeutet er nichts anderes, als dass ich mich vor einem anderen Menschen nicht "klein" zu fühlen brauche, da wir unter unseren "Klamotten" (Status) doch alle irgendwie gleich darherkommen.
    Ich hole das Gegenüber also von dem imaginären Sockel, auf den ich sie durch meine Angst gehoben habe, auf den Boden der Tatsachen, auf die gleiche Ebene, zurück.
  • Hallo Volker,

    vielen Dank für deinen Kommentar und deine Interpretation. Das finde ich sehr spannend, denn die Frage ist, die ich mir dann stelle, warum stellt man andere auf einen Sockel, so dass man ihn dann herunterholen muss?
    Wenn ich von vornherein mich auf einer Augenhöhe mit jedem Menschen erlebe, was meiner Meinung nach das Ziel ist, brauche ich solche Krücken nicht.
    Was denkst du?

    Herzliche Grüße
    Natalie

Was denkst du?

Hallo, ich bin Natalie :-)

Businessmentorin für introvertierte Unternehmer, Online-Unternehmerin und Buchautorin.

Seit 2009 habe ich Hunderte Selbständige beim Businessaufbau unterstützt. Seit 2015 arbeite ich online und ortsunabhängig und pendele zwischen Nord-Deutschland und Lanzarote.

Mehr erfahren 



Werde Teil der Community

In der Akademie - meiner Facebook-Gruppe - bekommst du viel Business-Wissen und Unterstützung durch mich persönlich. Und natürlich kannst du dich intensiv mit anderen introvertierten Unternehmern austauschen.

NUR FÜR GRUPPENMITGLIEDER: regelmäßige Live-Coachings durch mich
© 2009-2018 Natalie Schnack