Blinder Fleck, oder was Sie bei Ihrer Selbspräsentation beachten sollten

Blinder Fleck, oder was Sie bei Ihrer Selbspräsentation beachten sollten

Jede Art der Präsentation ist in erster Linie Ihre Selbstpräsentation
Jede Art der Präsentation ist in erster Linie Ihre Selbstpräsentation

Eines vorweg: Ob bei einer Präsentation beim Kunden, einem Vortrag oder im Bewerbungsgespräch – immer geht es in erster Linie nicht um die Inhalte, sondern um Ihre Selbstpräsentation. Denn der Mensch selbst ist immer das Wichtigste für den hinterlassenen Eindruck. Und wenn man sich so manche Selbstpräsentation anschaut, dann erlebt man Dinge, von den man nicht geglaubt hat, dass es sie tatsächlich gibt ;-).

Jeder von hat so einige „blinde Flecken“.

„Blinde Flecken“ sind die Verhaltensweisen und Gewohnheiten, die uns selbst nicht bewusst sind. Andere Menschen sehen diese sehr deutlich oder sind sogar davon betroffen. Oft verstehen wir die Welt nicht mehr und sind überrascht, woher so manche Reaktion unseres Gegenübers kommt. Dabei liegt es womöglich an unserem eigenen Verhalten. Nur selten werden diese „blinden Flecken“ offen angesprochen, leider.

Die „Blinder-Fleck“-Geschichte

Der Wissenschaftler, ein wirklich gut aussehender Mittvierziger in einem gut sitzenden Anzug, referierte zum Thema Diversity auf einer offiziellen Veranstaltung in der Handelskammer vor ca. 300 Teilnehmern. Sein Vortrag war zugegeben langweilig, es handelte sich um eine endlose PowerPoint-Schlacht mit schlecht gemachten Diagrammen. Nun ja, nichts was ich nicht von ihm als Wissenschaftler erwartet hätte. 🙂

Das wirklich Spannende an seinem Auftritt war sein Verhalten

Während seines ganzen Vortrages hat der gute Mann immer wieder in seinem Ohr gepult. Ja, sie lesen richtig! Sie kennen doch sicher dieses Wackeln mit dem Zeigefinger im Ohr, wenn es drin juckt. Etwas, was man normalerweise zu Hause hinter geschlossener Tür tut. Ja, genau das!

Beim ersten mal dachte ich noch, er hätte wohl einen akuten Juckanfall. Ist zwar nicht schön, Zeuge davon zu werden und absolut unpassend für die Bühnensituation, aber was soll’s, kann ja mal passieren. Denkste! Leider ging es so fast eine Stunde lang im Minutentakt während seines gesamten Vortrages.

Ich als Zuschauerin erlebte dabei einen wahren Wechselbad der Gefühle:

  • erst war ich irritiert,
  • dann fand ich es lustig,
  • später was ich total genervt davon
  • und kurz vor Ende des Vortrags habe ich wütend den Saal verlassen.

Immer, wenn ich diese Geschichte meinen Coaching-Kunden erzähle, schauen sie ungläubig und fragen mich, ob ich den Herren darauf angesprochen hätte. Nein, habe ich nicht, ich kannte ihn nicht und habe es nicht als meine Aufgabe verstanden. Doch frage ich mich, wie es sein kann, dass dieser Mensch, der sicherlich schon sehr oft Vorträge gehalten hat, noch nie von jemanden, der ihn kennt, ein Feedback dazu bekommen hat.

Tja, so ist es eben, als Betroffener erfährt man es ja eh als letzter, wie auch in vielen anderen Situationen im Leben.

Übrigens, von dem Inhalt des Vortrages habe ich rein gar nichts mitbekommen. Und da sehen Sie es, wie sehr alles Andere den Inhalt überlagert.

Und die Moral von dieser „Blinder-Fleck“-Geschichte …

  • Bereiten Sie sich vor auf die Situationen, wo Sie als Person im Mittelpunkt stehen, ob bei einem Vortrag, bei einer Präsentation von Kollegen/Vorgesetzten, beim Kunden- oder Bewerbungsgespräch. Und zwar nicht nur inhaltlich.
  • Und diese Vorbereitung beinhaltet einen Blick auf Sie von Außen. Lassen Sie sich ein ehrliches Feedback geben zu Ihrer Selbstpräsentation, zu Ihrem Verhalten!
  • Am besten lassen Sie einen Profi darauf schauen, denn diese Menschen sind neutral und haben gelernt, ehrliches und gleichzeitig wertschätzendenes Feedback zu geben.
  • Die Arbeit mit der Kamera bringt da grosse Aha-Effekte, gerade in Zusammenarbeit mit einem Coach.

Im Übrigen, nicht jede Eigenart gehört ausgemerzt, nicht dass wir uns hier falsch verstehen. Im Gegenteil, gerade unsere Ecken und Kanten machen uns einzigartig. Doch wichtig ist es, diese zu kennen und bewusst sich dafür oder dagegen zu entscheiden.

Oder wie wir im Improvisationstheater sagen: „Frage Dich, ob Du spielst, oder ob Du gespielt wirst.“ Meine Zornesfalte lässt grüßen ;-).

Ihre Natalie Schnack

P.S. Und wenn Sie sich auf die Forschungsreise nach Ihren „blinden Flecken“ machen wollen, zeige ich Ihnen gern, wie ich für solche Fälle Improvisationstheater- und Psychodrama-Arbeit nutze – Aha-Effekte und Lachen sind garantiert 🙂

2 Kommentare

  • Lieber Christoph,

    vielen Dank für dein schönes Feedback zum Artikel :-)

    Ich nutze zwar auch ab und zu Video, noch stärker ist die Reaktion, wenn ich nach der Psychodrama-Kunst, das Verhalten getreu nachspiele - das ist für die meisten Leute einfacher und humorvoller, als sich selbst auf einem Video zu sehen. Viele verkrampfen sich ja so, wenn sie aufgenommen werden ;-)

    Sonnige Grüße
    Natalie
  • Hallo Natalie,

    schöne Geschichte mit kunstvoll eingewobenem eigenem Angebot. Sehr hübsch :-)

    Sehe ich ähnlich: Bestimmt hätte der Referent beim Video-Feedback in fünf Minuten mindestens so oft im Ohr gepult, wie im längeren Test auf der Bühne. Und vielleicht hätte er sich gefragt: "Ih, was mach ich denn da?..."

    Beste Grüße,

    Christoph

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Hallo, ich bin Natalie :-)

Businessmentorin für introvertierte Unternehmer, Online-Unternehmerin und Buchautorin.

Seit 2009 habe ich Hunderte Selbständige beim Businessaufbau unterstützt. Seit 2015 arbeite ich online und ortsunabhängig und pendele zwischen Nord-Deutschland und Lanzarote.

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© 2009-2018 Natalie Schnack