Introvertiert sein ist cool! Warum versteckst du dich damit?

Introvertiert sein ist cool! Warum versteckst du dich damit?

In letzter Zeit werde ich sehr oft von Menschen angesprochen und angeschrieben, die mir sehr dankbar sind dafür, dass sie durch meine Arbeit, durch das was ich sage und schreibe, endlich erkannt haben, dass sie introvertiert sind. Und dass es völlig ok ist, dass sie unter Menschen erschöpfen, dass sie Small Talk hassen oder keine Lust auf Partys haben.

 

 

Sie berichten davon, dass sich bei ihnen eine totale Erleichterung breitmacht. Weil sie sich plötzlich selbst verstehen. Weil sie sich nicht mehr irgendwie „komisch“ vorkommen oder sich ewig in Frage stellen müssen.

Das freut mich total. Ach was. Das macht mich echt glücklich, denn dafür mache ich ja das alles!

Erkannt und für sich behalten?

Andererseits kommt oft nach: „Das muss jetzt aber nicht unbedingt jemand erfahren. Was habe ich davon, mir ein Etikett aufzukleben.“ 

Oh ja, mit diesen Bedenken kenne ich mich sehr gut aus. Nicht umsonst hat es ein Paar Jahre gedauert zwischen dem Schreiben des Konzeptes für „Leise überzeugen“, meiner derzeitigen Positionierung und jetzt der Gründung der „Akademie für Introvertierte“.

Weil der Begriff so negativ belegt sein soll. Weil viele sich damit nicht identifizieren. Weil Introversion immer wieder fälschlicherweise mit der Schüchternheit in einen Topf geworfen wird.

Nur, wenn wir bedenken, dass Intro- und Extraversion eines der wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen ist, ist es vergleichbar damit, wenn ich verleugnen würde, eine Frau zu sein. 😉

Introversion ist wie das Geschlecht – man sollte nicht versuchen sie zu verleugnen

Das ist überhaupt nicht weit her geholt. Ich habe zum Beispiel 10 Jahre in einem männerdominierten Unternehmen gearbeitet. Das war echt anstrengend. Weil ich nicht als Frau, sondern als Experte, als Kompetenz gesehen werde wollte. Ich dachte, so werde ich es einfacher haben, mich allein unter Männern zu behaupten. Nur bin ich damit überhaupt nicht glücklich geworden.

Das war sogar doppelt blöd. Erstens, versuchte ich einen wesentlichen Teil von mir zu verstecken und herunter zu spielen. Und je mehr ich das versuchte, desto mehr dumme Sprüche fing ich ein. Also das, was ich versuchte zu vermeiden, traf mich immer wieder „von hinten durch die Brust ins Auge“.

Ich hatte also nach dem Glaubenssatz gelebt, dass Weiblichkeit und Kompetenz nicht zusammen passen. Beziehungsweise, dass ich entweder als Frau oder als Expertin wahrgenommen werden kann. Beides kriegte ich in meinem Kopf nicht zusammen.

Natürlich ist es nicht ganz aus der Luft gegriffen, dass man als Frau oft mehr leisten muss, als Männer, um ernst genommen zu werden. Das ist jetzt kein wirkliches Geheimnis.

Viele Frauen erleben das. Das kenne ich zu Genüge aus den Coachings. Nur bin ich mir jetzt auf Grund des Erfahrung sicher, dass wir heute nicht mehr genau beantworten können, wo da die Henne und wo das Ei ist. Ich behaupte sogar, dass wir Frauen viel ernster genommen werden, wenn wir zu uns und unserer Weiblichkeit (bitte nicht mit Weibchen-Getue verwechseln) im Reinen sind und das auch leben.

Ist doch logisch: Wer sich offensichtlich wohl in seiner Haut fühlt und sich komplett ok findet, wirkt auch viel selbstbewusster und souveräner, als jemand, der mit sich hadert.

Aktuell begleite ich eine Journalistin und Buchautorin, die kontroverse Thesen vertritt. Dabei sitzt sie oft in Talkshows als einzige Frau in den Männerrunden. Sie hatte einige schlechte Erfahrungen damit gemacht und war kurz davor, alles hinzuschmeißen. Nach unserem ersten Coaching schrieb sie mir:

„Liebe Frau Schnack,

Gerade komme ich zurück von der Talk-Show, wegen der wir vorgestern telefoniert haben.
Und ich muss sagen: Ihre Hinweise haben mir total gut geholfen!!
Ich habe durch Sie nicht nur eine Menge über die Spielchen in solchen Runden gelernt und beobachten können, wie sie ablaufen. Ich konnte Ihre Tipps auch super gut einsetzen – und es hat perfekt funktioniert.

Vielen herzlichen Dank dafür!!!“

Das Erfolgsgeheimnis war, als Frau aufzutreten. Nicht zu versuchen, ein besserer Mann zu sein. Sich gut auf der Beziehungsebene (statt wie sonst nur inhaltlich) vorzubereiten. Auf einer Augenhöhe sein. Spielchen durchschauen, sich nicht auf Kämpfe einlassen, sondern nach eigenen Regeln spielen. Mit innerem Hochstatus und weiblichen Charme, den diese tolle Frau von Haus aus besitzt.

Und genau so ist es mit deiner Introversion

Natürlich kannst du jetzt anbringen, dass es reicht, wenn du es selbst weißt. Oder, dass man in unserer Gesellschaft nicht gern sieht, wenn man sagt, man wäre introvertiert, oder öfter seine Ruhe braucht, um effektiv und kreativ arbeiten zu können. Dass es erwartet wird, dass wir offen, kontaktfreudig und lechzend nach neuen Begegnungen sein müssen. Mag ja alles sein.

Meine Erfahrung ist aber, dass diese ganzen Beschränkungen vor allem in eigenem Kopf statt finden. Die meisten unterstellen einfach, dass das von ihnen erwartet wird. Wissen tun sie es nicht, denn die meisten haben das Thema noch nie klar angesprochen.

In meiner Facebook-Gruppe* gibt es eine Frau, die unglücklich war mit ihrer Arbeit, weil es ihr so viel Kraft gekostet hat, in einem Großraumbüro zu arbeiten. In der Gruppe bekam sie viele Hinweise, was sie ändern kann, um den Arbeitsplatz mehr nach ihrer Persönlichkeit zu gestalten. Erst hatte sie Vorbehalte, vor allem was ihren Chef und sein Verständnis für ihre Bedürfnisse anging.

Doch ein Paar Wochen später berichtete sie, dass sie das erste mal wirklich Klartext mit ihrem Chef gesprochen hat. Und nun kann sie jetzt 2 mal die Woche von zu Hause arbeiten. Außerdem hat sie nun beschlossen, mehrmals in der Woche die Mittagspause allein zu machen und sich dafür lauschige Plätzchen gefunden. Und plötzlich geht es ihr besser, sie hat viel mehr Freude an ihrer Arbeit und fühlt sich insgesamt viel stärker.

Ist das nicht wunderbar? Was sich doch alles ändern kann, wenn wir unsere Bedürfnisse, unsere Eigenart akzeptieren und annehmen. Wenn wir hinter uns stehen. Wenn wir die Sache in die Hand nehmen und dafür sorgen, dass andere Menschen davon erfahren, was wir brauchen, dann können wir mit voller Kraft uns den eigentlichen Dingen widmen.

Ich selbst bin das beste Beispiel dafür, dass seit ich komplett hinter mir selbst stehe, ich als viel präsenter und selbstbewusster wahrgenommen werde. Und das obwohl ich jetzt ganz klar sage, dass ich introvertiert bin.

Das Coole an deiner Introversion

Und jetzt will ich dir vor Augen führen, was an deiner Introversion so richtig cool ist. Denn, wenn du richtig gut für dich sorgst, kannst du aus dem Reichtum, der dir damit geschenkt ist, richtig schöpfen:

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  • Du denkst selbst.
  • Du überlegst, bevor du redest.
  • Du langweilst dich nie mit dir allein.
  • Du springst nicht auf jede „Sau“, die mal wieder neu durch’s Dorf gejagt wird.
  • Du gehst den Sachen auf den Grund.
  • Du willst mehr wissen.
  • Du hinterfragst Dinge.
  • Du kannst dich total auf eine Sache fokussieren.

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Ist das cool, oder ist das cool?! Yeh!!!

Und jetzt brauche ich deine Unterstützung

Dir fallen bestimmt ganz viele weitere Dinge ein, was die Introversion so cool macht?! Bitte schreib das was dir einfällt unten als Kommentar! Vielen Dank!

Herzliche Grüße

Deine Natalie

 

Ps. Die Facebook-Gruppe „Introvertiert sichtbar“ ist geheim. Wenn du Interesse hast, dich auszutauschen, schreib mir, ich lade dich in die Gruppe ein. 🙂

 

Bildquelle: Unsplash – pixabay.com

6 Kommentare

  • Liebe Eva,

    ich nicke grinsend, während ich deinen Kommentar lese. Also, du bist nicht allen damit, wir sind zumindest zur zweit ;-)

    Vielen Dank! Ganz genau! Autonomie, die mit der Introversion verbunden ist, finde ich auch so richtig cool :-)

    Ich arbeite fleißig im Hintergrund, bald gibt es einiges Neues auch in meiner "Akademie für Introvertierte". Ich freue mich sehr darauf!

    Bis bald.
    Herzliche Grüße
    Natalie
  • Liebe Natalie

    vielen Dank für Deinen Artikel und den Perspektivwechsel! Das Coole kann auch sein, dass Introvertierte unabhängiger sind, weil andere und das gesellige Drumherum nicht so wichtig sind. D.h. auch wir machen Dinge, zu denen wir Lust haben und nicht weil ein Leader das grad toll findet.
    Es fällt leichter sich selber aus seelischen Schwierigkeiten zu befreien, weil wir am besten wissen wie wir ticken, das will nicht heißen, dass es dabei nur lustig zu geht ....

    Außerdem haben wir einfach mehr Zeit, da die Teilnahme an Events und Feiern, bei denen eigentlich nichts passiert außer in möglichst vielen Stunden möglichst viel zu essen und zu trinken, nicht so erstrebenswert sind. Oder geht das nur mir so?

    Bin gespannt wie es mit dem Intro-Projekt weitergeht.
    LG
    Eva
  • Ein toller und hilfreicher Artikel nicht nur für Frauen!

    Wie heißt es doch so schön:" In der Ruhe liegt die Kraft", was ich nur zu gerne bestätige.
  • Liebe Panja,

    vielen Dank für deine schöne Rückmeldung! Oh ja, in der Ruhe liegt sehr viel Kraft :-)

    Herzliche Grüße
    Natalie
  • Hallo Christine,

    wenn das offensichtlich ist und du danach lebst, ist alles wunderbar. Geht ja nicht allen so. Ich schreibe von Introvertierten und für Introvertierte und viele davon sind weder still noch leise, zumindest nicht immer.

    In diesem Sinne, Introvertiert sein ist cool! :-)

    Herzliche Grüße
    Natalie
  • Ich mache die Erfahrung auch oft, dass sich viele Stille Menschen minderwertig fühlen, nur weil sie introvertierte Bedürfnisse haben... Die Erleichterung ist dann riesig, wenn sie hören, dass sie als Introvertierte völlig "normal" sind.

    Für mich ist es nicht nötig, jedem zu erzählen, dass ich introvertiert bin. Ich lebe einfach danach und sorge gut für meine Bedürfnisse nach Abstand und Ruhe. Dann kann ich auch bewusst und intensiv mit Menschen zusammenkommen.

    Dass ich ein Stiller Mensch bin ist genauso offensichtlich wie dass ich eine Frau bin.
    Das ist nun nicht übermäßig cool - aber hundertprozentig ICH. :-)

Was denkst du?

Hallo, ich bin Natalie :-)

Businessmentorin für introvertierte Unternehmer, Online-Unternehmerin und Buchautorin.

Seit 2009 habe ich Hunderte Selbständige beim Businessaufbau unterstützt. Seit 2015 arbeite ich online und ortsunabhängig und pendele zwischen Nord-Deutschland und Lanzarote.

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© 2009-2018 Natalie Schnack