Klares Profil oder ein Korb Buntes?

Klares Profil oder ein Korb Buntes?

Wäscheklammern
Wissen Sie selbst, wofür Sie stehen?

Letztens in meiner Psychodrama-Ausbildung sprach ich in der Mittagspause mit einer frischgebackenen Heilpraktikerin für Psychotherapie. Als ich sagte, ich wäre Sichtbarkeits-Coach, war ihre erste Frage, was genau ich nun sichtbar machen würde. Ist verständlich. Auch wenn ich ziemlich klar positioniert bin, bedarf es noch einiger Erläuterung, was allerdings auch gewollt ist. Denn lieber erzeuge ich Interesse und lasse die anderen nach Details fragen, als wenn ich sie zuschwafle.

Klares Profil?

Sie selbst wäre gerade in der Startphase ihrer Selbständigkeit. Als ich sie fragte, worauf sie sich denn spezialisieren möchte, kam entrüstet, sie wäre ja als Heilpraktikerin für Psychotherapie schon genügend positioniert. Ah ja! Ich habe mich auf keine weitere Diskussionen darüber eingelassen und habe das genauso kommuniziert – ich missioniere keinen und versuche nicht andere von etwas überzeugen, was sie blöd finden. Das gilt übrigens auch für Facebook-Gegner. Meine Mottos sind: „Jeder ist seines Glückes Schmied“ und „Leben und leben lassen“.

Ich schreibe lieber hier darüber, denn Sie, meine Leser sind frei, zu lesen oder zu lassen 🙂

Oder ein Korb Buntes?

Ich z.B. liebe es, wenn die Wäsche draußen getrocknet wird. Denn sie riecht viel besser, als drin getrocknete. Doch damit mir die Wäsche nicht wegfliegt, brauche ich unbedingt Wäscheklammern. Ich habe einen Haufen davon, alle unterschiedlich: rot, grün, blau, weiß, uralt, mittelalt, neu, aus Holz oder Plastik. Bei einigen Sachen ist es mir egal, welche Klammer ich dafür nehme. Aber nicht bei guten Sachen. Da nehme ich immer die neuen, weil sie keine Ziehfäden machen und extra so ausgepolstert sind, dass sie auch keine doofen Abdrücke hinterlassen. Die habe ich gezielt gekauft und mehr Geld hingelegt, als ich je für Klammern ausgegeben hätte – ich wusste was ich wollte und das war es mir dann auch wert. Und wenn ich so eine Klammer brauche, dann wühle ich so lange im Wäscheklammerkorb zu wühlen, bis ich sie gefunden habe. 🙂

Mit der Positionierung ist es genauso

Wenn man bei so etwas wie Wäscheklammern wählerisch ist, wie anspruchsvoll sind erst wir bei einem Dienstleister oder Bewerber? Auch wenn wir uns nicht immer bewusst sind, was wir genau erwarten, unterbewusst haben wir ziemlich genaue Vorstellungen davon, was wir haben wollen und was nicht.

Also machen Sie es Ihren potenziellen Kunden, Ihrem künftigen Arbeitgeber, Ihrem für die Beförderung zuständigen Vorgesetzten einfach und machen Sie klar, wofür Sie stehen. Denn sie suchen danach und werden keine Mühe und kein Geld scheuen, um genau das zu bekommen, was sie brauchen. Und wenn Sie sich so finden lassen, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sie sehr gut zusammenpassen!

Und jetzt kann jeder selbst entscheiden, ob man eine beliebige oder eine diese ganz bestimmte „Klammer“ sein will!

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Ps. In den nachfolgen Tagen sprach die Heilpraktiker-Dame mich noch mal auf das Thema an, denn das hat sie sehr beschäftigt. Und so fuhr sie nach Hause mit dem festen Vorhaben, ihr Profil zu schärfen. Ich habe nicht versucht sie überzeugen, hab nur ihre Fragen beantwortet. Und jetzt will sie sich auch von mir beraten lassen 🙂

2 Kommentare

  • Hallo Frau Schnack,

    schön dass Sie die Dame überzeugen konnten. Ähnliches Problem gibt es bei den "Coaches", die ja eben Coach sind und das sagt ja eigentlich schon aus, was man so den ganzen Tag macht... ;-)

    Tatsächlich ist das Wort "Coach" und das was man selbst damit verbindet oft ganz anders als das, was andere darunter verstehen. Anstatt sich hinter einem "Titel" zu "verstecken" ist ein klarer Satz oder auch zwei, über den Nutzen den ich biete viel hilfreicher. Wenn das Ganze noch gespickt ist mit einer Aussage oder gar Fragestellung an den Interessierten kann wirkliche Aufmerksamkeit erzeugt werden.

    Ich finde Ihre Arbeit sehr wichtig! Ich habe einen Blogartikel zu dem Thema Positionierung geschrieben, der unter anderem Ihr Thema aufgreift:

    http://www.coaching-ausbildung-kompakt.de/blog/item/56-%E2%80%9Eelevator-pitch-%E2%80%93-mit-dem-aufzug-nach-oben.html

    Alles Gute für Sie! Peter Reitz
  • Hallo Herr Reitz,

    vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihr Feedback zur Wichtigkeit meiner Arbeit.
    Ja, Coaches sind beim Thema Positionierung definitiv nicht ausgenommen ;-)
    Zur "Entschuldigung" kann ich anführen, dass eine klare Positionierung ja auch gar nicht so einfach ist und man allein im stillen Kämmerlein oft gar nicht weiter kommt - da fehlt ja der bekannte neutrale Blick auf die Sache und sich selbst ;-).
    Andererseits braucht es erstmal ein Paar Jahre Erfahrung, um zu wissen, worin man als Coach (oder jeder anderer Dienstleister auch) wirklich gut ist. Als Anfänger muss man sich da erst "Hörner abstoßen" und erstmal irgendwie alles Mögliche probieren, um überhaupt coachen zu können. Und da beisst sich die Katze oft in de Schwanz. Dann ist das eigene Angebot oft zu wahllos und zu beliebig. Deswegen versuchen viele sich dann wenigstens mit Methoden abzugrenzen, was auch nicht wirklich von Erfolg gekrönt ist: dem Kunden ist es doch meist völlig egal, welche Methoden zum Einsatz kommen, damit kennen die sich ja meist eh nicht aus.
    Deswegen rate ich immer: sich immer für ein Thema, ein "zu behandelndes" Problem zu entscheiden und ganz klar in der eigenen Positionierung sein, auch und besonders zu Anfang. Viele haben wohl Angst, einmal getroffene Entscheidung ein Leben lang beibehalten zu müssen. Ganz von der Angst, dadurch dann nicht genug Klienten zu bekommen. Beides fatale Irrtümer!

    Wir arbeiten weiter :-) Auch Ihnen viel Erfolg für Ihre Arbeit!

    Herzliche Grüße
    Natalie Schnack

    Ps. Vielen Dank auch für Ihren Link zum "Elevator Pitch"-Artikel, wirklich lesenswert.
    Ich hatte auch schon dazu geschrieben:
    http://natalie-schnack.de/2013/02/10/eine-frage-bringt-zum-stottern-was-machen-sie-beruflich/
    http://natalie-schnack.de/2013/03/14/knackige-selbstpraesentation-als-antwort-auf-die-frage-und-was-machen-sie-beruflich/

Was denkst du?

Hallo, ich bin Natalie :-)

Businessmentorin für introvertierte Unternehmer, Online-Unternehmerin und Buchautorin.

Seit 2009 habe ich Hunderte Selbständige beim Businessaufbau unterstützt. Seit 2015 arbeite ich online und ortsunabhängig und pendele zwischen Nord-Deutschland und Lanzarote.

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© 2009-2018 Natalie Schnack