Zwei entscheidende Unterschiede zwischen Ihren Schwächen und wie Sie es schaffen, sie zu regulieren

Zwei entscheidende Unterschiede zwischen Ihren Schwächen und wie Sie es schaffen, sie zu regulieren

Was eine Schwäche ist, liegt oft im Auge des Betrachters. Wir selbst sind meist sehr kritisch mit uns und bewerten sogar die Fähigkeiten, die einfach nur normal ausgeprägt sind als Schwächen, nur weil wir da nicht die besten sind. Das zeigt sich besonders dann, wenn das was man als eine Schwäche von sich wahrnimmt, von außen ganz anders wahrgenommen wird.

Ich finde z.B., dass ich manchmal strukturierter sein könnte, vor allem, wenn es um meine persönlichen Dinge geht. Letztens sagte mir ein Freund allerdings, dass er es super findet, wie strukturiert ich bin. Das bedeutet keineswegs, dass ich auf Grund dieser Rückmeldung plötzlich Struktur zu meinen Stärken zählen würde, ich weiß ja, dass das nicht stimmt. Es macht aber deutlich, dass es mir offensichtlich gut gelingt ist, diese empfundene Schwäche auszugleichen. Ich muss dafür aber auch wirklich was tun.

Das ist nämlich der Unterschied zu unseren Stärken, die uns völlig selbstverständlich gelingen, ohne Mühe zu machen.

Wenn man sich über die eigenen Schwächen hermacht, dann merkt man schnell, dass es folgende Arten zu unterscheiden gilt:

  • Es gibt Schwächen, die einfach Schwächen sind. Diese muss man hinnehmen, durch Stärken ausgleichen oder sich mühsam abgewöhnen. Die sind echt lästig und nerven einen selbst und oft auch andere.
  • Es gibt Schwächen, die kann man regulieren lernen, in dem man sie durch gezieltes Training auf ein gesundes Maß bringt.
  • Die meisten dieser Schwächen beinhalten Stärken. Wenn man lernt, sie zu regulieren, kann man die dahinterstehenden Stärken nutzen.

Schwächen, die einfach Schwächen sind

Ja, es gibt Dinge, in denen wir einfach nicht gut oder so richtig schlecht sind. Manches lässt sich auch tatsächlich nicht komplett ausgleichen. Wenn jemand beim Autofahren schnell aggressiv wird, ist es nicht optimal. Man kann es bis zu einem gewissen Grad kontrollieren, wenn man gleichzeitig in Kauf nimmt, dass in manchen Situationen es trotzdem zu einem Wutausbruch kommen kann. Was es gar nicht bringt, auf sich selbst dafür sauer zu sein. Ist kontraproduktiv.

In meiner Coaching-Ausbildung gab es z.B. einen Mann, der solche Ausraster immer bekommen hat, wenn einige Fahrer vor ihm zu langsam fuhren. Er hatte schon alles mögliche versucht, an Glaubenssätzen und seinem Selbstbild gearbeitet usw. Es hat alles nicht viel gebracht. Er hat sich immer mehr über sich selbst geärgert, dass er es nicht abschaffen kann. In meiner Ausbildungs-Abschlußprüfung war ich sein Coach und wieder war dieses Thema dran. Die Lösung, die wir erarbeitet hatten, ist so einfach wie genial und sie funktioniert (meistens) bis heute.

Bis dato lief es so ab: Während er sich im Auto aufregte, wurde er laut und beschimpfte die Person im Auto vor sich auf’s Übelste.

Unsere Lösung: So bald er anfing zu schimpfen, soll er das Gesagte noch einmal wiederholen, nur diesmal nicht mit seiner Stimme, sondern mit der Stimme von Mickey-Mouse. So bald er das tut, muss er lachen und seine Wut verschwindet.

Probieren Sie es ruhig mal aus, auch bei mir funktioniert es wunderbar!

Schwächen, die man durch Training regulieren kann

Es gibt z. B. viele Menschen, die hervorragend schreiben können, aber denen das Reden nicht liegt. Klar kann man das bis zu einem gewissen Grad lernen und üben … wenn man will. Genau da sind wir bei einer weiteren wichtigen Komponente: Manches wollen wir gar nicht – weil es uns total schwer fällt, nicht liegt oder keinen Spaß macht.

Hier liegt auch die Crux: Dafür gibt es keine Schablone, sondern wir sind gefragt, aufmerksam darauf zu achten, warum wir etwas nicht können oder mögen. Denn oft ist eine Abneigung schlichtweg damit verbunden, dass wir etwas noch nicht beherrschen.

Gehen Sie mal in einen Anfängertanzkurs: Da fallen 90 % der Leute über ihre Füße, bewegen sich gegen den Rhythmus und sind so auf ihre Arme und Beine konzentriert, dass sie weder ein gutes Bild abgeben noch Freude am Tanzen haben. Leider stempeln sich diese Anfänger oft als unbegabt ab: „Tanzen ist einfach nichts für mich“. Dabei ist es völlig normal, dass man anfangs (noch) nicht gut ist.

Darum halten Sie sich bitte nicht selbst klein, indem Sie von sich sagen „Ich kann x einfach nicht“ oder „Ich bin für y zu unbegabt“. Sie müssen nicht alles mögen oder lernen wollen. Und hin und wieder gibt es Dinge, von denen Sie aus vollem Herzen sagen können: „Uäh, da bin ich echt nicht gut drin!“ Doch bevor Sie das tun, schauen Sie auf jeden Fall immer auf den starken Kern, der in fast jeder Schwäche steckt. Wie das geht, zeige ich Ihnen jetzt.

Die beiden Pole jeder Schwäche

Ein Beispiel:

Sind Sie auch jedes Jahr wieder überrascht, dass Weihnachten so schnell kommt? Mir geht das so. Na ja, eigentlich ärgere ich mich über mich, da ich immer im letzten Moment Geschenke besorgen muss. Das artet so in Stress aus, dass ich mittlerweile Weihnachten an sich nicht mag – ich verbinde es mit Stress, Ärger und hetzenden Menschenmassen. Nun ist es aber nicht so, dass diese Eigenschaft nur einmal im Jahr zum Problem wird. Das wäre ja einfach!

Wenn ich mir meine Aufschieberitis genauer anschaue, erkenne ich sie in vielen verschiedenen Ausprägungen in meinem Verhalten wieder. So taucht sie in allen möglichen Situationen auf – von Besorgen von Geburtstagsgeschenken, bis zu der Abgabe der Steuererklärung. Sie begleitet mich also dauerhaft im Leben und sorgt für eine Menge an unnötigem Stress für mich selbst und mein Umfeld. Offensichtlich kann ich sie auch nicht so einfach abstellen. Es ist also eine Schwäche wie sie im Buche steht.

Da die meisten Schwächen eigentlich übertriebene Stärken sind, schaue ich meine Schwäche unter einem neuen Fokus an: Was schwingt denn da gleichzeitig mit, dass ich alles auf den letzten Drücker mache? – Es ist die Zuversicht, dass ich es schon irgendwie kurz vor knapp hinbekommen werde. Ich kann mich auf mich verlassen: Bisher habe ich, wenn auch unter Hektik und Stress, immer noch Geschenke unterm Weihnachtsbaum gehabt und meine Steuererklärung gerade noch termingerecht verschickt.

Zuversicht ist also der starke Kern in meiner blöden Aufschiebe-Schwäche. Das ist natürlich nicht bei jedem so, denn es gibt auch Menschen, die ständig aufschieben und sich nicht auf sich verlassen können, dass alles rechtzeitig fertig wird. Darum ist es so wichtig, dass jeder für sich ganz konkret hinschaut, was Sache ist.

Bei mir ist das Aufschieben also von Zuversicht begleitet. Und das ist eine sehr vorteilhafte Eigenschaft, denn Zuversicht allgemein gesehen sorgt dafür, dass man sich überhaupt etwas traut, etwas anfängt und den Mut fasst etwas Neues anzufangen.

Jetzt überlege ich, was wäre das andere Extreme, also das Gegenteil von Aufschieberitis. Für mich wäre es Perfektionismus – alles immer und sofort erledigen, ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten.
Ich habe also zwei entgegengesetzte Pole von Zuversicht: zu wenig davon führt zum Perfektionismus, zu viel davon zu Aufschieberitis. Jetzt stelle ich mir das als einen Regler vor, bei dem ich selbst entscheiden kann, wie viel Zuversicht in einer bestimmten Situation passend ist und kann so meine Schwäche nach Bedarf gut regulieren.

Damit habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Ich habe hinter meiner Schwäche eine Stärke gefunden, die ich so noch gar nicht gesehen habe, und ich habe eine gute Möglichkeit entdeckt, diese künftig besser zu handhaben. Ich weiß zwar, dass ich die Dinge gern aufschiebe, aber jetzt habe ich eine Handhabe, um sie nach meinen Wünschen zu regulieren, indem ich der anderen Seite mehr Gewicht verleihe. Denn natürlich ist es nicht damit getan, dass man seine Schwächen nach Stärken durchforstet und glücklich die Arme verschränkt. Vielmehr geht es darum, die Stärke in der Schwäche zu nutzen.

Das bedeutet auf mein Weihnachtsbeispiel bezogen, dass ich mir im Vorwege drei Deadlines setze. Geschenke besorgen in der Zeit

  • zwischen Januar und Oktober = Perfektionismus
  • von November bis zum 10. Dezember = Zuversicht
  • ab dem 11. Dezember = Aufschieberitis

Das heißt für mich: Wenn ich bis Anfang November noch keine Geschenke besorgt habe, dann habe ich zwar noch Zeit, aber nur bis spätestens 10. Dezember, denn ab da wäre es Aufschieberitis, und dass will ich nicht mehr. Und das klappt!

Übung: Finden Sie die Stärke hinter Ihrer Schwäche

  • Suchen Sie eine von Ihren Schwächen aus, die sie wirklich hinderlich und negativ für sich und andere finden.
  • Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf beim Finden von den Stärken dahinter. Schießen Sie sich nicht gleich auf eine Stärke ein, sondern notieren Sie ruhig mehrere, die Ihnen einfallen.
  • Finden Sie das Gegenteil von Ihrer Schwäche – das andere Extrem.
  • Entscheiden Sie dann: Welche Stärke kann diese Schwäche am ehesten regulieren?
  • Zeichnen Sie Ihren Regler, wie ich im obigen Beispiel. Jetzt können Sie für jedes neue Vorhaben überlegen, wie locker Sie sich die Zügel zu Ihrer Schwäche lassen oder inwieweit Sie Ihre Stärke nutzen, um sich stärker an die Kandare zu nehmen.

Machen Sie das mit allen Schwächen, die Ihnen einfallen. Dann sind Sie nicht mehr länger Ihren Schwächen ausgeliefert, sondern bestimmen selbst, in welcher Intensität Sie sie leben wollen.

Jetzt wissen Sie, wie Sie konstruktiv mit Ihren Stärken und Schwächen umgehen können – und dabei jede Menge weiterer Stärken an sich entdecken!

Herzlichst

Ihre Natalie Schnack

 

PS: Nach dem wir uns mit Stärken und Schwächen befasst haben, geht es beim nächsten Mal um die Selbstakzeptanz, bleiben Sie dran!

PPS: Dieser Artikel basiert auf dem Text aus Kapitel 2 meines Buches „Leise überzeugen“

 

Bildquelle: Jonny Lindner, Comfreak – pixabay.com

Noch keine Kommentare vorhanden.

Was denkst du?

Hallo, ich bin Natalie :-)

Businessmentorin für introvertierte Unternehmer, Online-Unternehmerin und Buchautorin.

Seit 2009 habe ich Hunderte Selbständige beim Businessaufbau unterstützt. Seit 2015 arbeite ich online und ortsunabhängig und pendele zwischen Nord-Deutschland und Lanzarote.

Mehr erfahren 



Werde Teil der Community

In der Akademie - meiner Facebook-Gruppe - bekommst du viel Business-Wissen und Unterstützung durch mich persönlich. Und natürlich kannst du dich intensiv mit anderen introvertierten Unternehmern austauschen.

NUR FÜR GRUPPENMITGLIEDER: regelmäßige Live-Coachings durch mich
© 2009-2018 Natalie Schnack