… brach ich zusammen. Mein Körper sagte: STOP! Als ich zwei Wochen nicht mehr geschlafen und kein Essen mehr bei mir behalten konnte, konnte ich nur noch weinen. Was mich dazu zwang, zuzugeben, dass ich nun wirklich nicht mehr kann und dass ich ein echtes Problem habe, welches ich nun nicht mehr mit noch härter dagegen ankämpfen lösen kann. Ich musste zum Arzt. Diagnose: Burnout. Schöne Scheiße!
Das war eine vernichtende Kapitulation, das kannst du mir glauben. Doch viel schlimmer als diese Erkenntnis war, es in meinem Umfeld zuzugeben. Denn für die anderen kam es total überraschend und das Verständnis hielt sich in Grenzen. Im Grunde lief es darauf hinaus, dass man mir gute Besserung gewünscht hat und mit Durchhalteparolen anfeuerte, zügig mein „Problemchen“ auf die Reihe zu kriegen, um schnellstmöglich wieder zu funktionieren und keine weiteren Irritationen zu verursachen. Auch mit klugen Ratschlägen und mitleidigen Blicken wurde nicht gespart. Das Übliche halt.
Also hielt ich einfach wieder die Klappe und machte es, wie immer, mit mir allein aus. Und ich habe es mit aller Kraft versucht: Mich wieder in Ordnung zu bringen, mich funktionsfähig zu machen. Mit der Brechstange, etwas anderes kannte ich ja nicht. Hat nur nicht geklappt. Bis mein heutiger Ehemann - der beste auf der Welt, mein Fels in der Brandung - mir geholfen hat, eine Entscheidung zu treffen.
Ich habe das Unternehmen verlassen mit dem Ziel, aufzuhören mich totzuarbeiten. Für mich stand fest: Ich kann nie wieder für einen Chef arbeiten. Denn natürlich machte ich mein ungesundes berufliches Umfeld für mein Elend verantwortlich. Deswegen sah ich nur eine Alternative:
Ich krempelte (mal wieder) die Ärmel hoch, bildete mich zur Gründungsberaterin weiter, netzwerkte was das Zeug hält und startete nach einem halben Jahr mit einem gut gefüllten Terminkalender in die Selbständigkeit. Alles sollte anders werden. Ich saß wieder im Sattel, klare Ziele im Visier, und konnte erneut allen zeigen, was ich draufhabe.
Business-Pläne erstellen, Geschäftsmodelle und Produkte entwickeln, an Positionierungen feilen und Marketingstrategien kreieren – das kann ich wirklich gut.
Nach außen war ich wieder die perfekte Expertin. Was natürlich stimmte, denn ich war gut in dem was ich tat. Doch im Hintergrund war Chaos pur. Nicht einmal mein Mann wusste damals, wie es mir wirklich ging. So gut war ich darin, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, um andere nicht zu belasten. Doch natürlich ging es nicht lange gut. Wieder konnte ich nicht mehr. Mein Körper zwang mich wieder in die Knie.
Ich begann mit dem Improvisationstheater und das hat viel zur Entlastung beigetragen. Denn auf der Bühne konnte ich vieles von dem ausdrücken, was in mir war. In der intensiven Impro-Trainerausbildung zeigte sich deutlich, dass ich viel ungelösten Ballast in mir trage. Nur adressieren konnte ich es zu dem Zeitpunkt noch gar nicht.
Doch der Körper lügt nie! Er hat mich regelrecht dazu gezwungen, mich dem zu stellen, was sich in mir so leer und so zerstört anfühlte. Also begann ich etwas klassisch: Mit einer Ausbildung im Coaching-Bereich, erst NLP-Practitioner, dann Coach. Denn nach und nach erkannte ich, dass es in meinem Inneren Dinge geben musste, die ich nicht wahrnehmen konnte. Die mich zwar aus der Tiefe meines Unbewussten regierten, die ich aber nicht abstellen konnte, so sehr ich es mir damals wünschte. Darauf folgten weitere, immer mehr in die Tiefe gehende und psychologisch anspruchsvollere Ausbildungen.
Alles, was ich an Tools gelernt habe, wandte ich bei mir fleißig an. Es half auch für eine kurze Zeit. Ich tat alles, um mich gut drauf zu bringen, um produktiv arbeiten zu können und um in privaten Beziehungen zu funktionieren.
Ein ewiges Auf und Ab. Eine Zeit lief es ganz gut, wenn im Außen alles "chico" war, bis wieder etwas passierte, was mich gaaanz tief abstürzen ließ - eine unendliche emotionale Achterbahn. [Das ist übrigens auch etwas, das die meisten meiner Kunden nur zu gut kennen.]
Als ich wieder einmal ganz tief unten war, musste ich mir eingestehen, dass nichts hilft, und ich begann eine Therapie. Dass ich nach den ganzen Ausbildungen und so viel Arbeit an mir selbst wieder an dem Punkt landete, wo ich nur mit Antidepressiva schlafen konnte, war ein harter Brocken, den ich schlucken musste. Diese „Schwäche“, wie ich damals dachte, einzugestehen war brutal und natürlich war ich alles andere als gut auf mich zu sprechen.
Diese tiefenpsychologische Gesprächstherapie war ganz OK. Das meiste von dem, was wir da besprochen haben, wusste ich theoretisch eh schon. Ich konnte durch meine Ausbildungen und die vielen Sachbücher, die ich las, alles analysieren und stundenlang darüber reden, was mir in meinem Leben passiert ist, ohne auch nur das Geringste dabei fühlen zu können. Dass das von mir Erlebte nicht so ganz "normal" war, erkannte ich nur an den entsetzten Reaktionen derer, denen ich über meine Vergangenheit erzählte, wie z. B. meines Therapeuten. Kurzum, das ganze Gerede änderte kaum etwas an meinem Zustand. Aber immerhin tat ich etwas, gell?!
Parallel dazu fing ich mit der Psychodrama-Ausbildung an. Das war eine echte Offenbarung. Denn nun konnte ich endlich so vieles von dem sehen und damit fühlen, was tief in meiner Psyche vergraben war. Nach einem Jahr ging es noch tiefer mit der Gruppen-Therapie, die sehr intensiv war. Dort lernte ich diverse Therapie-Methoden kennen: alle möglichen Formen von Meditationen, Atem-Therapie, holotropes Atmen, Tanz-Therapie, Aufstellungen, Psychodrama, EMDR und viele weitere Therapie- und Traumatherapie-Methoden.
Ich warf mich da hinein und buchte auch noch diverse begleitende Seminare. Wenn ich was tue, dann tue ich es richtig! Ich denke, das Wichtigste in diesen Jahren war, zu erfahren, dass ich nicht allein mit meinem „Problem“ und auch kein Alien bin. Es wurde klar: Ich bin schwerst traumatisiert, eine Überlebende, die zu viele zu heftige Traumata erlebt hat: Entwicklungstrauma, Bindungstrauma, emotionales Trauma, Schocktrauma, komplexe PTBS … Ich habe alles im Portfolio. Bisher konnte ich im „Wettbewerb um die krasseste Lebensgeschichte“ fast immer gewinnen.
Gekrönt habe ich diese Arbeit damit, dass ich später auch noch ein paar Jahre Therapie-Gruppen mit geleitet habe. Das war eine unschätzbare Erfahrung für meine heutige Arbeit, für die #radikalentspannt Selbst-Therapie. Vor allem, weil ich sehr viel davon im Nachhinein sehr kritisch betrachte.
Denn je mehr ich damals die „Büchse der Pandora“ öffnete, eh mehr Erinnerungen und Zusammenhänge hoch kamen, desto schwieriger wurde es für mich, mich selbst irgendwie zu handhaben. Die alten Verletzungen brachen permanent mit der ganzen Wucht durch. Die Therapien brachten keine echte Lösung, ich konnte mein normales Leben immer weniger handhaben.
Mein Nervensystem, das sonst durch ein ausgeklügeltes „Panzer-System“ zusammengehalten wurde, um in der Gesellschaft zu funktionieren, wurde durch das ständige Herumbohren aufgeweicht, ohne dass ich Werkzeuge dafür an die Hand bekam, in meinem Alltag damit umgehen zu können. Ich war immer unfassbar belastungsfähig und konnte auch Unertragbares ertragen. Doch nun wurde es fast unmöglich, zwischen der ganzen "Psycho-Arbeit" und dem Leben zu balancieren.
Und wieder landete ich an dem Punkt, an dem nichts mehr ging. Diesmal hatte ich nur mehr Methoden zur Auswahl, um an mir herumzudoktern. Jetzt meditierte ich stundenlang, um dann den Tag irgendwie zu überstehen. Oder machte sonstige Übungen aus meiner reichhaltigen Tool-Kiste. Noch mehr Ausbildungen ... Ein Teufelskreis das auch viele meiner Kunden kennen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Immer wieder tat ich alles, um zu … Und es (oder besser gesagt: ich) funktionierte auch für eine Zeit. Doch das Imperium schlug immer wieder zurück. Theoretisch hatte ich alles: Ein erfolgreiches Business, ich verdiente sehr gut, war eine anerkannte Expertin, führte eine tolle Ehe … Nur in meinem Inneren fühlte ich mich wie eine "leere Hülle", die an einer reich gedeckten Tafel regelrecht verhungerte.
Heute weiß ich, dass all diese Methoden dazu dienen, mit aller Kraft dafür zu sorgen, wieder in Ordnung zu kommen, sich zu reparieren, um zu funktionieren. Und zwar so, dass man niemanden sonst damit belastet. Also, ein rundum gut eingegliedertes Mitglied der Gesellschaft zu sein, "ohne Sonderwürste". Doch diesen Kampf konnte ich nicht gewinnen.
Diesen Kampf kann niemand gewinnen. Echte Heilung kann nie im inneren Kampf gegen sich selbst geschehen. Die Lösung ist niemals: Ich repariere so lange an mir herum, bis ich allen vergeben habe und eine auf Hochglanz geschliffene Version meiner Selbst und über jede emotionale Regung erhaben bin, nirgendwo mehr anecke, von allen geliebt werde und mit ewig seligem Lächeln im Gesicht dahin schwebe …