Echt sein: heißt sich selbst so sehen wie man ist - gar nicht so einfach!

Echt sein: heißt sich selbst so sehen wie man ist - gar nicht so einfach!

Ich lebe ja auf Lanzarote. Gestern habe ich in den Stories ein Paar Bilder von unserem Restaurant-Besuch gepostet. Es kamen viele Herzchen und Likes, weil das so schön ausgesehen hat: Traumwetter, wunderschöner Meerblick … Und ich bekam u. A. eine Nachricht, die so lautete: „Ist das Wetter immer so schön bei euch!? Unfassbar traumhaft.“ Worauf ich mit Freuden geschrieben habe: „Ich sage mal zu 90% ist das Wetter tatsächlich so. Es ist wirklich traumhaft. 😍“ So weit, so trivial. Eigentlich.

Doch während ich meine Antwort abschickte, bemerkte ich wie wichtig es mir war, als glaubwürdig wahrgenommen zu werden. Und wenn du dir meine Nachricht anguckst, erkennst du es an der Wortwahl, die ich unbewusst getroffen habe: „Ich sage mal zu 90% ist das Wetter *tatsächlich* so. Es ist *wirklich* traumhaft. 😍“ Es war mir wichtig, dass diese Person mir glaubt. Interessant, oder?!

Die meisten sehnen sich nach Echtem, nach Wahrhaftem

Und dann dachte ich weiter: Ich glaube, dass die meisten von uns, die sich hier in Social Media (und auch sonst überall) bewegen, sehnen sich nach Echtem, nach Wahrhaftigem. Die meisten von uns sind übersättigt vom schönem Schein, von Glitzern und Konfetti, die die Realität überdecken. Die meisten von uns haben keine Lust mehr, etwas vorgegaukelt zu bekommen. Wir trauen den Bildern nicht wirklich. Auf der einen Seite.

Auf der anderen aber haben wir vor nichts mehr Angst, als davor, dass wir und unsere eigene Realität gesehen wird, so wie sie ist. In all ihren Fassetten. Nicht nur das Schöne und Glänzende.

Denn ist es nicht das, was man uns am eindrücklichsten von kleinauf beigebracht hat? Mit Sprüchen wie: „Was sagen die Leute?“; „Das darfst du niemanden sagen!“; „Dein Bruder kann das besser.“; „Welche Note hat deine Freundin bekommen?“; „Echte Jungs weinen nicht!“; „Das macht/sagt man als Mädchen nicht!“; „Nun guck nicht so!“ und und und. Immer und immer wieder lernten wir je nach Umfeld, das nicht Fröhliche (oder das Fröhliche), das nicht Hübsche (oder das Hübsche), das nicht Ausgefallene (oder das Ausgefallene), das nicht Kluge (oder das Kluge) etc. zu verschleiern, zu verstecken, wegzuleugnen. Heute filtern wir das gern mal mit einer App weg. 😉

Authentizität?

Ok, jetzt könntest du denken: Ok, es ist mal wieder so eine Aufforderung zu mehr Authentizität, BlaBlaBlaBla. Das hat einen sooooo langen Bart. 🤪

Ja, und nein. Es ist nämlich gar keine Aufforderung und zwar zu gar nichts. Es ist eine schlichte Einladung an dich (und auch an mich), jetzt mal wahrzunehmen, was von dir und deiner Realität gesehen und was auf keinen Fall gezeigt werden darf. Nicht mehr und nicht weniger.

Ja, mein Thema ist Sichtbarkeit und es ist mir ein ganz wichtiges Anliegen, dass jeder Mensch sich mit dem was ihn ausmacht zeigt und das was er/sie zu geben hat in die Welt bringt. Doch mir geht es dabei nie darum, dass man sich selbst ständig thematisiert und jede Kleinigkeit in der Öffentlichkeit ausbreitet - das was man heute allgemein so unter „Sichtbarkeit“ versteht. Da wird was durcheinander gebracht, wenn du mich fragst. Ich halte es lieber so (frei nach Ruth Cohn): 

"Ich muss nicht alles sagen, was echt ist. Aber das was ich sage, sollte echt sein." 🙂


Ehrlich zu sich selbst sein - darum geht's

Ich finde, im ersten Schritt geht es darum, einfach ehrlich zu sich selbst zu sein. Zu lernen, sich selbst mit all dem sehen zu dürfen, was da ist. Das Schöne, das Häßliche, das was um jeden Preis gesehen und wahrgenommen werden will, das was um keinen Preis gesehen werden möchte, das was totalen Druck macht, das was stinkfaul ist. All das was wir als hell und als dunkel bezeichnen. Es geht nämlich nichts darüber, ehrlich zu sich selbst sein zu können. 

Denn meist sind wir nicht ehrlich, wir überhöhen uns gern und wir erniedrigen uns gern. Aber uns so zu sehen, wie wir wirklich sind, das ist etwas was wir nun lernen dürfen.

In Liebe, Natalie 💜

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