Von "richtigen" und "falschen" Grenzen

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Um die Sache mit den Grenzen greifbar zu machen - ist ja sonst eher diffus und scheint willkürlich - erzähle ich meinen Kunden oft von einer sehr einprägsamen Erfahrung, die ich vor Jahren bei einer Übung in einem Improtheater-Workshop machte. Es ging um das Gefühl für Nähe/Distanz, persönlichen Raum und damit für eigene und fremde Grenzen.

Setting: Ein Übungs-TN steht mit dem Gesicht zur Wand. Der Rest der Gruppe steht auf der anderen Seite des Raumes. Einer aus der Gruppe geht lautlos und langsam auf den Übungs-TN zu. Die Aufgabe für den TN ist, STOPP zu sagen, so bald das Gefühl da ist, die von hinten kommende Person hat die Grenze zum persönlichen Raum erreicht und würde diese sonst überschreiten. Die Übung wird 3-4 Mal wiederholt, dann kommt der nächste TN dran. So simpel. 😍

Um so riesiger war die Überraschung, zu sehen wie absolut unterschiedlich die Größe des persönlichen Raums und damit der empfundenen Grenzen bei den einzelnen Personen ist. Es ging von einem lauten und bestimmten „STOPP“ bei ca. 3 Metern Entfernung bis zum Erstarren und überhaupt nichts sagen. Und alles dazwischen. 😲

Geniale Übung, da so einfach, anschaulich und absolut erkenntnisreich.

Auf den Punkt gebracht aus meiner heutigen Sicht als Business-Therapeutin:

📌 Grenzen haben erstmal nichts mit Verstehen und kognitiver Entscheidung zu tun, sie sind absolut instinktiv.

📌 Wir brauchen nichts zu sehen oder zu hören, wir erfahren Grenzen mit rein körperlichen Sinnen - sog. Antennen.

📌 Jeder hat seine ganz persönlichen Grenzen, es gibt da kein „richtig/falsch“, „normal/„unnormal“. Zu jedem Grenzempfinden gibt es eine persönliche Entwicklungsgeschichte, die meist absolut unbewusst ist und wirkt daher um so subtiler und triggerbar in allen möglichen Situationen und Bereichen des Lebens, so auch im Business.

📌 Im Kontakt mit anderen gehen wir immer zunächst von unserem eigenen Grenzempfinden aus. Umso wichtiger ist es, unsere eigenen Grenzen zu kennen und lernen diese ganz klar zu kommunizieren. Auch und besonders im Business.

🔜 Wie es mir damals in der Übung ging und wo meine Grenze lag, ist eine eigene Story, die erzähle ich dann beim nächsten Mal. 

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Als Kompromiss zwischen gendergerechter Ansprache aller Geschlechter und Einfachheit, kennzeichne ich entsprechende Begriffe mit *.